Rassismus

Kann ich eigentlich ziemlich kurz abhandeln.

Wurzel ALLER Menschen

Man ist sich heutzutage ziemlich sicher darüber, dass die Wiege der Menschheit in Afrika stand und dass vor irgendwas zwischen 80.000 und 150.000 Jahren eine Gruppe ausgezogen ist und step by step den Rest der Erde besiedelt hat. Es können auch mehrere Gruppen zu verschiedenen Zeiten gewesen sein, Man ist sich deswegen sicher, weil bis heute keine zwei Menschen auf der Erde existieren, die – bei der richtigen Geschlechtermischung – nicht miteinander Kinder zeugen könnten. Bei einer Parallelentwicklung von Menschen an verschiedenen Orten wäre diese genetische Grundverträglichkeit so unwahrscheinlich, das der Begriff „unmöglich“ es korrekter beschreibt.

Wir haben also alle noch die selben Erbanlagen.

Der Genpool

Von Hunden weiß man: Achtet man bei Rassezucht zu sehr auf die Reinheit der Rasse, bekommt man relativ schnell Hunde mit Defekten: Hüftgelenksdyplasie, Fehlsichtigkeit, auch reine Blödheit wird dann wahrscheinlich. Man muss immer wieder mal den Genpool vergrößern, indem man Seitensprünge zulässt. In diesem Zusammenhang fallen (auch von mir) oft auch Sätze wie „Reinrassige Mischlinge sind am gesündesten und am intelligentesten. Und sehen am schönsten aus!“ Es gibt auch Leute, die das über menschliche Mischlinge sagen;  ich denke, die haben recht.

Lasst uns den Genpool also möglichst groß halten; es tut uns Menschen als Art nur gut. Rassismus ist einfach Schwachsinn, aber so was von! Abgesehen davon ist die ständige Vermischung sowieso schon seit Ewigkeiten im Gang. Und wo nicht, gibt es halt – tatsächlich! – mehr Dorftrottel als anderswo, was nun auch nicht wünschenswert ist.

Evolution

Evolution ist ein ziemliches unerbittliches Konzept: Es geht einfach darum, dass Leute, die durch in ihrem Erbgut beschriebene Eigenschaften (besser sehen, weniger Wasser verdunsten, sich besser warm halten können etc.) in der Umwelt, in der sie leben, bessere Überlebenschancen haben als andere, dass diese Leute also länger Zeit haben, ihr Erbgut weiterzugeben – halt weil sie länger überleben. In sehr sonnigen Gegenden überleben Leute mit dunklerer Haut besser – und pflanzen sich stärker fort -, in kalten Gegenden sind es Leute mit mehr Körperbehaarung.

Sollte eines der dafür verantwortlichen Gene gleichzeitig negativen Einfluss auf z. B. die Leistung des Gehirns haben, wird der Vorteil der Behaarung oder der dunklen Haut wahrscheinlich nichts mehr nützen; Intelligenz ist immer noch Überlebensgarant Nummer 1 – unabhängig von der Umwelt. Punktum.

Letzter Punkt

Ach, ich hab gezz echt keinen Bock mehr auf diesen Schwachsinn…

Du hast Schuld…

Das Wort Schuld taucht mittlerweile ständig und überall auf, und es ärgert mich extrem. „Schuld“ klingt durch und durch negativ. Sagt jemand beispielsweise: „Du trägst die Schuld an meinem Verlust!“, enthält dieser Satz nur einen fetten Vorwurf, ein Urteil und sonst nichts. Sagt jemand „Du trägst die Verantwortung für meinen Verlust“, höre ich eine klare Aufforderung, etwas daran zu ändern, was ja auch durchaus einen Weg aus der drohenden Verurteilung impliziert. Ich habe im Duden nachgeschaut:

Schuld – Ursache von etwas Unangenehmem, Bösem oder eines Unglücks, das Verantwortlichsein, die Verantwortung dafür
bestimmtes Verhalten, bestimmte Tat, womit jemand gegen Werte, Normen verstößt; begangenes Unrecht, sittliches Versagen, strafbare Verfehlung

Verantwortung – Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht
Verpflichtung, für etwas Geschehenes einzustehen [und sich zu verantworten]

Schuld wird eindeutig als negativ beschrieben, Verantwortung ist dagegen eher wertfrei und formuliert eine Verpflichtung.

Lasst uns also mit diesem Reden von Schuld aufhören; wir tun einander damit nur weh. Ich habe sowieso den dringenden Verdacht, dass Kirchen vor 2000 Jahren damit angefangen haben, dieses Wort in unserem Leben zu verankern, um aus unserem schlechten Gewissen heraus Macht über uns zu gewinnen. Leute, die sich schuldig fühlen, kann man gut herumschubsen. Gebt anderen keine Macht über Euch!

Flüchtlinge sind ein Geschenk!

Im vergangenen Jahr sind rund 1 Mio. Menschen als Flüchtlinge bei uns gelandet. Eine durchaus große Gruppe meiner Landsleute hat sie begrüßt und sich mit Begeisterung daran gemacht, den Neuankömmlingen zu helfen und sie intensiv zu unterstützen.

Eine andere Gruppe hat mit anscheinend ebenso großer Begeisterung mit dem Bau und der Benutzung von Brandsätzen angefangen und es dabei auch nicht falsch gefunden, wenn Flüchtlinge in Lebensgefahr kamen.

Warum, frage ich mich; warum meinen Leute, das Recht zu haben, Flüchtlinge zu verbrennen? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die das ernsthaft mit allen Konsequenzen durchdacht haben, was es heißt und was für Folgen es hat, wenn man andere Menschen umbringt. Und ich meine nicht zuerst die strafrechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen für die Täter.

Ich will das hier lieber nicht weiter behandeln; mir fehlt dazu viel Wissen und auch die Geduld. Vielleicht später einmal. Ich möchte aber darüber reden bzw. schreiben, was Leute zur Flucht und Bewohner dieses Landes in die Angst treibt.

Damit nicht alle meine Gedanken in einer grenzenlosen Buchstabenwüste versinken, greife ich einige Gesichtspunkte heraus, die mich dabei besonders beschäftigen.

Gründe bzw. Motivation zur Flucht

Soweit ich erkenne, gibt es zwei Hauptmotive zur Flucht: Krieg oder Armut, beides ohne einfachen Ausweg.

Krieg

Krieg haben unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern selbst erlebt; die Erzählungen dürften uns allen bekannt sein. Die meisten aus meiner Generation – ich bin Jahrgang 1956 – haben seelischen Zerstörungen und ihre Folgen an unseren Eltern und Verwandten direkt und hart erlebt und eigene Wunden dadurch erlitten.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendjemand in unserem Land das nicht akzeptieren kann, dass Leute aus Kriegen fliehen, und zwar möglichst weit weg in möglichst vollkommene Sicherheit. Unter diesem Blickwinkel sehe ich die Wahl von Deutschland als eine Auszeichnung unseres Landes – und von uns. Ich möchte glauben, dass wir aus den zwei Kriegen des letzten Jahrhunderts genug gelernt haben, um neue Kriege zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Armut

Armut selbst ist immer relativ: relativ zur Umgebung, in der man lebt. Wer hier von Hartz 4 leben muss, ist arm; mit demselben Einkommen könnte man an anderen Orten unserer Welt ein gutes, gesichertes Leben führen. Nur die untere Grenze der Armut, das Nichts-Haben, ist absolut.

Armut, wie man sie in Afrika, Lateinamerika und anderen Orten unserer Welt erlebt, ist nicht quantitativ, sondern qualitativ. Oder: nicht graduell, sondern total. In vernünftigem Deutsch ausgedrückt: Arme Menschen dort sind nicht ärmer als unsere Armen; sie haben schlicht gar nichts. Selbst die Leute, die nach dem 2. Weltkrieg aus Ostpreußen zu uns flohen, hatten mehr – viel mehr.

Manche Leute – insbesondere Politiker – nennen Leute, die aus der Armut fliehen wollen, Wirtschaftsflüchtlinge. Das klingt, als wollten die Flüchtlinge einfach ein wirtschaftlich besseres Leben: eigenes Haus, Auto etc. Sind solche Wünsche so stark, dass man zu ihrer Erfüllung versuchen würde, in ein Land auszuwandern, in dem fast alle eine andere Sprache sprechen, in dem andere – unbekannte! – Gesetze herrschen, andere Gebräuche? Dass man alles aufgäbe, was einem vertraut ist? Dass man auch in Kauf nähme, auf der Flucht den Tod zu finden (nicht so unwahrscheinlich bei denen, die in Schlauchbooten übers Mittelmeer kommen)? Ich kann es nicht glauben. Wenn ich auch nur versuche, mich in diese Leute hineinzudenken, kann ich es nicht mehr glauben. Es geht hier nicht um mehr Eigentum, sondern um die Möglichkeit des Überlebens, darum, nicht eine bessere Zukunft zuhaben, sondern überhaupt eine Zukunft.

Was ist diese Armut? Leute, die nicht alt werden, weil selbst alltägliche Krankheiten sie umbringen können. Kinder, die es nicht bis zum Grundschulalter schaffen, weil auch sie vorher sterben; die, falls sie doch lange genug leben, in keine Schule gehen können, weil das teuer ist. Und so weiter. Wir haben diese Schilderungen alle gehört und gesehen und können ihren Realitätsgehalt nicht abstreiten, und trotzdem benutzen wir das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“, versuchen zu verharmlosen, einen Kampf ums Überleben zu einer Art Gier oder Neid umzuerklären.

Die Menge

Es sind viele, die kommen, nicht wahr? Eine Million oder mehr im letzten Jahr. Und wenn das so weiter geht?

Es hat mir geholfen, die Zahlen herunter zu brechen auf ein Maß, das ich mir real vorstellen kann. Deutschland hat irgendwas um 80 Millionen Einwohner; dem gegenüber stehen gut 1 Millionen Flüchtlinge. Die Menge der Flüchtlinge ist also 1/80 der Einwohnerzahl.

Ich habe mir also einen Platz vorgestellt, auf dem 80 Leute stehen – locker, sehr locker, weil Deutschland nicht ganz so klein ist. Was für ein Gedränge, was für ein Chaos, wenn einer dazu kommt! Kaum auszuhalten…

Denken wir 10 Jahre weiter und stellen wir uns vor, dass alle Flüchtlinge hier bleiben. Dann stehen neben den vielleicht immer noch 80, vielleicht nur noch 78 Deutschen 10 Flüchtlinge. ABER! Einer wohnt schon seit 10 Jahren hier, ein weiterer seit 9 usw. Wenn wir sie nicht einfach ignorieren, wenn wir uns – und sie sich – ein bisschen geschickt anstellen, können sich mittlerweile 9 von denen mit uns unterhalten, 6 oder 7 sogar flüssig. 8 haben Arbeit (unsere Wirtschaft klagt momentan bitter über Arbeitskräftemangel), einer oder zwei haben vielleicht sogar eine Idee mitgebracht, mit der sie kleine Unternehmen aufziehen konnten, und beschäftigen schon zwei andere… Wenn wir sie nicht ausgrenzen oder ghettoisieren, haben sie gelernt, wie man hier lebt, und ihren Weg gefunden.

Das ist jetzt nur Phantasie. Aber denken Sie daran, was Menschen aus anderen Ländern uns schon alles gebracht haben! Denken Sie an die Leckereien: griechisch, türkisch, serbisch bzw. kroatisch, japanisch, chinesisch, vietnamesisch, russisch, polnisch, syrisch, mongolisch, portugiesisch, italienisch, schwedisch …

Lasst sie nur kommen, sage ich. Sie bringen viel mit, und wir und sie wissen noch gar nicht, was. Das verstehe ich nicht als Drohung, im Gegenteil: es ist ein funkelndes, glitzerndes Versprechen.

Kosten

Kurzfristig

Was soll man dazu sagen? Natürlich ist es teuer, Millionen Menschen aufzunehmen, zu versorgen und ihnen das Wissen zu vermitteln, das notwendig ist zur Bewältigung des normalen Lebens in Deutschland. Und es wird noch teurer, wenn gewitzte und egoistische Geschäftsleute große Nachfragen und knappe Angebote z. B von Wohncontainern nutzen, um möglichst hohe Preise zu verlangen. Klar ist das eine der Grundregeln des Kapitalismus, aber ganz ehrlich: Ich halte das für Kriegsgewinnlertum – mit der Not anderer reich zu werden. Mit den christlich-abendländischen Werten, die doch immer so hoch gehalten werden, wenn jemand nur das Wort „Islam“ ausspricht, ist das nicht vereinbar, wird hierzulande aber geduldet, wenn nicht bewundert.

Noch ein Preistreiber sind Politiker, die per Gesetzgebung verhindern, dass die Flüchtlinge auch nur eine Chance bekommen, sich ihr tägliches Brot wenigstens teilweise selbst zu verdienen – mit Arbeitsverboten für (noch) nicht anerkannte Flüchtlinge beispielsweise. Stattdessen werden die Menschen zu Untätigkeit verdammt, was nur förderlch ist für Lagerkoller.

Bürokratie überhaupt scheint die Situation über jedes verstehbare Maß aufzublähen zu einem völlig unbewältigbaren, beänstigenden Moloch, der uns zu verschlingen scheint und ins Chaos schleudert. Die schaffen das, die Bürokraten.

Langfristig

Unsere Wirtschaft hat immer wieder betont, welch ein Gottesgeschenk die Flüchtlinge sind: Sie sind das Heilmittel für den Fachkräftemangel, den Arbeitskräftemangel überhaupt, die Überalterung unserer Gesellschaft und was nicht noch. Klingt komisch, ist aber so.

Und wenn man dem nachspürt, ist es wohl auch plausibel. Sprich: Wir könnten alle davon profitieren. Irgendwie scheinen diese Argumente bei der Politik aber nicht anzukommen, obwohl die Wirtschaft sonst doch dort eifrige Nachbeter ihrer Argumente findet. Warum? Vielleicht weil mit Aussichten auf Frieden, Wohlstand und ein buntes Leben keine Wählerstimmen zu gewinnen sind, mit dem Schüren von Angst und Fremdenhass aber schon.

Hören wir doch ausnahmsweise auf die Wirtschaft. Wir dürfen nur nicht vergessen, ihnen kritisch auf die Finger zu schauen – Stichwort Kriegsgewinnler etc.

Religion

Die haben einen anderen Gott

Das absurdeste Argument vorweg: „Die haben einen anderen Gott! Die beten zu Allah!“ Ja. Und die Franzosen beten zu Dieu, die Polen zu Bóg, die Ungarn zu isten und die Christen auf Malta beten ebenfalls zu Allah. Alles Heiden!

Liebe Kinder! Das ist so, weil nur wenige Menschen auf der Erde deutsch sprechen – auch beim Beten. Die Franzosen beten französisch, die Polen polnisch, die Ungarn ungarisch, die maltesischen Christen arabisch. Und Muslime, ob türkisch, deutsch oder nigerianisch, benutzen beim Beten die Sprache des Propheten Mohammed, und der sprach – auch arabisch. Übrigens haben alle genannten Wörter dieselbe Bedeutung: Gott. Das sagt leo.org und dict.cc. Klingt komisch, ist aber so.

Extremismus

Der Islam ist extremistisch, sagt man gerne; um das zu belegen, werden Stellen aus dem Koran zitiert. Nach diesem Verfahren ist wohl jede Religion als extremistisch und menschenfeindlich zu bezeichnen, allen voran die christlichen Religionen: Immer noch werden Menschen im Namen Jesu oder der Bibel umgebracht, z. B. in den USA – dort werden abtreibende Ärzte auch mal erschossen. Ansonsten schauen wir Christen auf eine lange Tradition von Krieg und Mord zurück; das fängt nicht an mit den Kreuzzügen und endet nicht bei Hexenverbrennungen. Und man hat alles mit Bibelstellen begründet… Ja, aber der IS! Und die Taliban! Und Boko Haram! Und… Sind diese Leute wirklich Muslime, nur weil sie es behaupten, die blutigen Teile der Scharia einführen wollen und sich beim Gebet in Richtung Mekka verbeugen? Von Islam-Wissenschaftlern hört man anderes.

Fundamentalisten, egal in welcher Religion, sind eine spezielle Sorte Mensch; man muss behutsam mit ihnen umgehen, viel mit ihnen reden und hoffen, dass sie geheilt werden können. Zumeist sind es tatsächlich Menschen mit tiefen Narben an der Seele.

Kopftücher

Im Zusammenhang mit dem Islam werden ja auch oft Symbole wie Kopftuch oder gar die Burka genannt. Da man in vorwiegend islamisch bevölkerten Großstädten viele Frauen ohne dergleichen sieht, frage ich mich, ob diese Kleidungsstücke wirklich religiös begründbar oder eher Erbschaft ländlich-patriarchaler Strukturen sind, wie sie eigentlich fast überall irgendwann vorgeherrscht haben. Zwei Argumente:

  1. In Aufnahmen aus dörflichen Umgebungen sieht man mehr Kopftücher und Körperschleier als in Städten. In Dörfern hat sich auch in Deutschland Patriarchat länger gehalten, hält sich ja immer noch. Je städtischer die Umgebung, umso mehr verkümmert das Patriarchat. Ok, ist sehr simplifiziert – aber doch… Ich hoffe.
  2. In meiner Kindheit war es selbst im Ruhrgebiet Sitte, dass eine „anständige“ Frau eine Kopfbedeckung hatte. Meine Mutter trug ein Kopftuch, wenn sie einkaufen ging. Das ist jetzt vielleicht 50 Jahre her. Später war es ein Hut – ein „Hütchen“ -, noch später ergriff sie einen Beruf: eine Entscheidung, mit der mein Vater nicht wirklich einverstanden war. Es kam auch zu Streits darüber. Die Argumente für Kopfbedeckung und gegen Berufstätigkeit wurden der Bibel entlehnt bzw. vom Pfarrer geholt – nicht so bei uns, meine Eltern hatten mit Kirche nichts im Sinn. Man berief sich aufs Brauchtum in Form von „Das macht man nicht“ oder „Das gehört sich so“. Oder: „Aber meine Oberhemden musst Du schon noch bügeln!“

Ich glaube, man sollte das Kopftuch oder die Burka nicht so hoch hängen, erst recht nicht in einem Staat, der sich eigentlich als säkular betrachtet und in manchen Gegenden immer noch in jeder Amtsstube ein Kreuz hängen hat (die eigene Nase). Die Leute haben zwar auch mit Kirche nichts mehr im Sinn, aber das Kreuz…! Geben wir unseren neuen Freunden Zeit und Raum zu lernen und helfen ihnen dabei.

Die andere Seite:
Unsere christlich-abendländische Kultur

Uuuh, uuuh. Ein Thema, von dem momentan dauernd Leute reden. Wie ich zum Thema Religion schon gesagt habe: Christlich-abendländische Tradition besteht aus ziemlich viel Gewalt und Machtspielen; da steckt „das Recht des Stärkeren“ drin und ähnliches mehr. Eigentlich sollten wir uns nicht darauf berufen, solange wir nicht in klaren Worten sagen können, was damit gemeint ist.

Unsere Angst

Tja. Wovor eigentlich? Klar: vor dem Fremden. Davor, dass man sich nicht verständigen kann, dass man in einer Begegnung nichts unter Kontrolle hat. Und dann – kennen Sie das mit Hund und Katze? Man sagt – nach gründlicher Forschung – dass die einander einfach missverstehen. Ihre Körpersprachen sind zu unterschiedlich, sie haben teils entgegengesetzte Bedeutung. Eine Katze macht einen Buckel und schnurrt, wenn sie sich freut, dass man wieder da ist. Ein Hund zieht sich zusammen (macht eine Art Buckel) und knurrt, wenn er sich bedroht fühlt. Das ist vereinfacht, aber trifft’s wohl.

Nun. Wenn ich Türken oder Araber miteinander reden höre und ihnen dabei zusehe, habe ich oft nach dem Klang ihrer Sprache und ihrer Lautstärke und Körperhaltung das Gefühl großer Aggressivität. Mittlerweile fürchte ich, dass ich mit meinem Gefühl gaaaanz weit daneben liegen könnte; die Leute sind einfach fremd und in ihrer Situation als Flüchtlinge in der Fremde auch unsicher. Unsicherheit macht auch arrogant, das kennen wir von uns selbst. Und wie gesagt: vielleicht ist es  einfach mir fremde Körpersprache.

Ich gehe davon aus, dass sich vieles von dieser Haltung verliert, wenn die Leute lange genug hier sind – und wenn wir uns trauen, viel mit ihnen zu „reden“, halt mit Händen und Füßen. Irgendwann lernen sie unsere Sprache – vielleicht manche von uns auch ihre -, dann geht’s flüssiger.

Wegschieben: Warum wir?

Warum wir? Wir haben uns das doch nicht ausgesucht! Die haben uns auch nicht gefragt! Die haben nur „Deutschland“ gesagt, und die anderen Länder haben dicht gemacht!

Warum also wir? Vielleicht weil wir übrig geblieben sind. Das sollte für christlich-abendländische Menschen Grund genug sein. Weil es das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gibt. Weil jemand etwas tun muss und wir als Letzte jetzt dieser Jemand sind. Weil man die Leute doch nicht einfach verrecken lassen kann. Weil sie keine Wahl haben, nie eine Wahl hatten. Weil Europa – und damit auch Deutschland – über Jahrhunderte an der Ausbeutung und Plünderung Afrikas verdient und auf der Basis dieses Vermögens seinen heutigen Reichtum erschaffen hat. Wohl gemerkt: „Wir“ meint nicht unbedingt Sie und mich, sondern unser Land, das insgesamt einigermaßen fett und träge mitten in Europa liegt, und die vielleicht 5% der Leute, die das Geld bei sich horten und behaupten, sie hätten alles „mit ihrer eigenen Hände Arbeit  verdient“. VERDIENT?

Es läuft also letztlich hinaus auf „Irgendjemand muss es tun“, und wenn wir es tun müssen, sollten wir das Beste daraus machen und sehen, dass – ausnahmsweise mal – es uns allen gut geht, materiell und ideell. Inklusive der Flüchtlinge.

Fazit

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass wir uns unser Menschsein nicht nehmen lassen, unser Mitfühlen und unsere Lust an Leben und Freude. Man kann sich so etwas nicht gut erhalten, wenn man weiß, dass anderswo Leute elend verrecken, an fehlender Nahrung oder an einem Übermaß an Waffen.

Flüchtlinge und Einheimische dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen und miteinander austricksen lassen von einigen wenigen, die Reichtum und Macht an sich gezogen haben und gerne solche Themen benutzen, um unsere Blicke von sich abzulenken.

Mein Gefühl sagt mir: Wenn wir uns weiter sperren gegen die Flüchtlinge, geht es uns wie den Menschen in diesen Dörfern in Russland, in denen nur noch ein paar alte Leute leben. Man kennt einander nur zu genau, es gibt nichts neues, interessantes mehr, das Leben ist jeden Tag dasselbe, und eines Tages wird irgendeiner der Letzte sein. Davor graust es mich!

Ich möchte lieber, dass mein Leben bunter wird, dass ich fremde Leute mit fremden Sitten kennen lerne, ohne extra nach Hamudistan fahren zu müssen. Je mehr Mischung, desto wahrscheinlicher ist es, dass unsere Gesellschaft überlebt, statt an Ödnis zugrunde zu gehen.

Liebe Kirche…

Kirche erzeugt in mir immer ein eher mulmiges Gefühl. Nun ja, ich habe halt so meine eigene kirchliche Sozialisation.

Früher war alles besser…

Als ich klein war (so 5-12), schickte meine Mutter mich und meine Schwester Sonntags immer mit ein bisschen Kollektengeld zum Kindergottesdienst. Meine Schwester ist älter als ich und war damals schon fix im Denken; also machten wir kurz vor der Kirche an einem Kiosk Halt und reduzierten die Kollekte. Sie hat gerecht geteilt, ich konnte und wollte mich nicht beschweren; aber das war dann auch schon das Schönste am Gottesdienst. Der Pfarrer hat gepredigt, wir haben das über uns ergehen lassen. Im liturgischen Teil mussten wir viel stehen, das mochte ich gar nicht. Nach der Predigt wurden wir in Gruppen aufgeteilt, und der Predigttext wurde noch einmal von den Helfern mit uns durchgekaut; danach gab’s noch ein paar Gebete und ein paar Lieder, wieder meist im Stehen, und dann war’s endlich vorbei.

Noch öder war der Gottesdienst, wenn er ein einem Prediger gehalten wurde; dann gab’s keinen Organisten, und wir mussten à capella singen und noch mehr stehen. War das ätzend!

Mit 12 kam ich in den Katechumenenunterricht; wir mussten viel auswendig lernen, und der Unterricht bestand großen Teils aus Abfragen. Was habe ich nicht alles gelernt: Das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, Luthers kleinen Katechismus, Lieder (ich weiß nicht mehr wie viele), Psalmen…

Was ich damit gemacht habe? Vergessen, sobald die Konfirmation mit ihrer Prüfung durch war. An der Konfirmation interessierte eigentlich nur, wer wie viel Geld bekommen hatte. In dem nicht sehr betuchten Vorort, in dem wir damals wohnten, wurde der Vogel mit 1500 DM abgeschossen; ich bekam rund 165 DM. Wir waren damals einfach nicht sonderlich wohlhabend, und das Gros der Leute um uns herum auch nicht. Meine Schwester hatte es 2 Jahre vorher noch schlechter getroffen: sie bekam kein Geld, sondern Aussteuer von meinen Großeltern… Sie war enttäuscht, aber sowas von!

2 Jahre später bin ich dann in die Jugend der Freien Evangelischen Gemeinde gegangen; darüber habe ich ja schon etwas im Artikel Glauben erzählt.

Vernunft

Später während meines Zivildienstes, den ich erst nach meinem Studium absolvierte, lernte ich einen wirklich außerordentlich vernünftigen Pfarrer kennen, mit dem man auch wirklich gut reden konnte, und eine sehr vehemente und mitreißende Diakonin (nicht Diakonisse! Das ist etwas gaaaanz anderes!). In der Zeit war ich manchmal auch im Gottesdienst und hatte was davon.

Und jetzt kämpft Kirche, meine Kirche, die evangelische Kirche, seit Längerem mit Austritten, und ich frage mich – oder habe mich gefragt -: gibt es eine Existenz-berechtigung für Kirche, und wenn ja, welche?

Geht gar nicht:

Ganz ehrlich: Für eine Kirche, die behauptet, Statthalterin Gottes auf Erden zu sein, und das als ihr „Kerngeschäft“ ansieht, gibt es heute wohl kaum ein Daseinsrecht. Sie hat auch keinen Nutzen für Menschen, stellt nur Forderungen, noch dazu reichlich beknackte – speziell im Bezug auf Ehe und Sex.

Bitte: Ich bin keineswegs der Auffassung, dass die Menschheit ohne Kirche besser dran sei – im Gegenteil, wir brauchen Kirche mehr denn je. Die Frage ist: in welcher Gestalt?

„Gottes Wort“ ist ROFL!

Wie ich in meinem Beitrag Glauben schon schüchtern angedeutet habe, habe ich das Bild eines Gottes, der das Uni- oder Multiversum (wie ich finde sehr erfolgreich) erschaffen hat, der weiß, was er tut und was seine Schöpfung daraus macht. Eines Gottes, der nicht daran interessiert ist, dass man vor ihm auf die Knie fällt und ruft:“ Mein Gott, bist Du groß!“ oder ähnlichen Unsinn macht. Warum auch? Er hat MINDESTENS (wie Physiker heute sagen) das komplette Universum mit Billionen Galaxien, jede mit hunderten Milliarden Sternen und Planeten, geschaffen. Man setze dazu ins Verhältnis: einen Menschen auf einem Planeten in einem Seitenarm einer Galaxie… Eher (viel eher, leider) käme ein Mensch auf die Idee, Anbetung von seinen Darmbakterien zu fordern!

Was ist nun Kirche?

Also ist danach Kirche NIEMALS Kirche Gottes und ebenso wenig Mittler zwischen Mensch und Gott. Kirche ist Menschenwerk und muss ihre Legitimation auch darin finden.

Was sollte oder könnte Kirche also sein? Eine Mahnerin, die uns an Worte Jesu erinnert, an sein Schöpfungs- und Menschenbild, die uns hilft, in diesem – im ethischen – Sinne Menschen zu werden und zu sein. Das fängt an und hört nicht auf mit „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.

Für diese Rolle muss Kirche aber präsent und wichtig in unserem täglichen Leben sein; dazu reicht es nicht, Gottesdienste oder Gruppen wie Frauenhilfe, Bastelkreise, Glaubenskurse und Männergebetskreise anzubieten. Es ist notwendig, dass wir Kirche im täglichen Vollzug unseres Lebens, als Teil des Lebens erleben.

Wie ließe sich das erreichen?

Ein Ansatz könnte sein, was in – einigen oder allen? – orthodoxen Kirchen praktiziert wird: Pfarrer als Nebenberuf zusätzlich zu einem Hauptberuf, dem man weiter nachgeht. Auch in der EKvW gab es schon mal so ein Modell; es hat sich aber nicht durchgesetzt.

Ein anderer Ansatz wird bereits seit Jahrzehnten gelebt: Pfarrer an Krankenhäusern und in Altenheimen. Da kommt Kirche – tja – ans Bett. In Krankenhäusern sind Gottesdienste ziemlich sinnfrei; die Kranken liegen in ihren Krankenzimmern und sind oft genug nicht in der Lage, sich zu beteiligen. Was aber super funktioniert (erwiesenermaßen), ist z. B. Abendmahl am Bett. Die Hauptsache – und für die Patienten enorm hilfreich – sind aber Gespräche, Gespräche und – äääähh – Gespräche.

Ich könnte mir durchaus eine Stadt vorstellen, in der es nur noch eine evangelische Kirche gibt – für die großen Kirchenfeste – und viele Räume für alle möglichen sonstigen Aktivitäten und eine Horde Pfarrer und Ehrenamtliche, die sich bemühen, die ganze Stadt zu besuchen.

Dazu gehört auch, dass Kirche in der Öffentlichkeit präsent ist und schnell und laut ihre Stimme erhebt, Diskussionen anfacht und ihre ethisch begründete Position kundtut – UND vor Allem Vorschläge macht. Man muss sehen: heutzutage hat praktisch jedes Thema ethische Aspekte, und da sind nicht Ge- und Verbote gefragt, sondern immer wieder Ideen zu Lösungsansätzen.

Gefährlicher Bambus!

Meine Frau hat vor einigen Jahren – 4 müssten es sein – zwei Bambusstöcke in unseren Garten gepflanzt: ca. 80cm hoch, jeder vielleicht 30cm im Durchmesser. Natürlich mit Wurzelsperre; man will ja keinen Wald, und außerdem sollen die Nachbarn weiter die Wahl haben, was sie pflanzen.

Das Bild oben zeigt die beiden Büsche heute: Sie arbeiten momentan an einer Erweiterung ihrer Höhe von 4m auf 4,5m. Das machen sie jedes Jahr ganz raffiniert: Zuerst wächst ein einzelner gelber Pirr oben raus, ein kahler Stengel, rund 50cm hoch, und schaut nach, ob noch genug Platz ist und ob das mit der Nährstoffversorgung in dieser Höhe noch klappt. Das dauert ein paar Tage; man denkt schon, der Pirr ist einfach totes Holz. Dann – sehr plötzlich – schieben sich eines Morgens noch ein paar gelbe Pirre hoch, meistens so eine Gruppe von ca. 10 Stück. Die brauchen dann einige Tage, um dieselbe Höhe zu erreichen. Und dann sieht es plötzlich so aus, als wäre der erste Pirr zwischen 2 Backsteine geraten: aufgesplissen in viele dünnste Fädchen, wie breitgekloppt. Und dann werden die Fädchen grün, und dann wird das Grüne zu Blättchen, und das Ganze breitet sich aus. Die anderen Pirre haben sich das angeschaut und beginnen jetzt, das nachzumachen. Und dann – ist der Bambus nicht mehr 4m hoch, sondern 4,50m, und verbringt den Rest des Sommers damit, da oben mehr Dichte und Substanz reinzubringen. Im späten Herbst sieht er dann so aus, als wäre er schon immer so hoch gewesen.

Gefährlich in zweierlei Hinsicht. Zum einen muss man sich sehr genau daran erinnern, dass das Ganze mit 80cm angefangen hat; der Busch behauptet steif und fest, er hätte schon immer so ausgesehen: 3,5m breit und 4,5m hoch. Zum andern: Wenn er anfängt zu wachsen, sollte man sich nicht für längere Zeit über dem Busch aufhalten – so ein paar Tage oder so -, sonst spießt er einen auf. Da bin ich sicher!

Fußball – watt sontz?

Ich habe vorgestern ausnahmsweise Fußball geguckt, Deutschland – Polen, man muss ja. Ernsthaft, ich fühle gaaanz tief in mir drin geradezu eine Art „nationaler Pflicht“, diese Spiele anzuschauen, also Spiele der deutschen Mannschaft. Was mir allerdings gottseidank abgeht, ist dann nationale Parteilichkeit. Ich find’s toll, wenn das Spiel gut ist, wenn die Spieler beider Mannschaften richtig was Gutes auf den Rasen zaubern, wenn Raffinesse dabei ist und Einsatz. Wenn der Ball in einem Affenzahn in einer Staffel von Kurzpässen aus dem eigenen Torraum bis vor das gegnerische Tor zischt, dabei 4 oder mehr Mal die Seiten wechselt und dann noch seinen Weg durch eine dicht gestellte Abwehr bis vors Tor findet – das geilt schlicht auf. Egal welche Mannschaft das gerade schafft! Am besten, wenn das beide können; dann ist das Spiel sauspannend.
Das war jetzt ja bei diesem Spiel nicht ganz so; irgendwie fehlte da was. Und hinterher gab’s ja dann auch die dicke Schelte von den Kommentatoren und Selbstkritik von den Spielern. Ja ja. Aber was mir auffiel: Ziemlich viele Versuche endeten einfach damit, dass jemand ausrutschte. War der Rasen vielleicht einfach zu glitschig? Aber dafür kann doch niemand was. Wieso dann diese grandiose Meckerei? Herrgott!
War halt jetzt noch nicht das Meisterspiel, ok. Die haben halt noch nicht so zusammengefunden – beide Seiten. Ja und? Kann sich noch ganz von selbst bessern; die leben jetzt eine Zeitlang eng zusammen, das wird auch was bringen.
Gegen Polen kann ich nicht ernsthaft sein; polnische Namen sind hier gang und gäbe im Pott, die allermeisten schon seit Generationen: Kaminski, Koslowski usw.. Die haben sich genau so eingelebt wie die Italiener, die Jugoslawen, die Türken und – nicht zuletzt – die Deutschen, die zum allergrößten Teil auch nicht schon immer hier gewohnt haben. Der Stadtteil, in dem ich wohne, war vor rund 100 Jahren kein Stadtteil, sondern Felder, Sümpfe und Buschland; hier und da mal ein Bauernhof, sonst nix. Dann hat jemand angefangen, abzuteufen, dann wurden Siedlungen für Arbeiter gebaut, und die Arbeiter kamen – und kamen – und kamen… So entstand das Ruhrgebiet. Vor 100-150 Jahren! Und da war nix mit Deutschland! Das war Westfalen und Rheinland, und alles noch zerteilt in zig Herzogtümer und Grafschaften und Königreiche. Nationales Denken bezog sich oft genug auf eine Fläche, die noch kleiner war als das halbe Ruhrgebiet. Das sollte man im Kopf behalten bei all dem Deutschland-Gebrüll.
Also habe ich Spaß an Fußball und besonders an gutem. Und wenn die Polen gewinnen, werden wir im Pott eine kurze Zeit lang viele polnische Fahnen sehen, und viele von uns können dann sagen: „Siehste – meine Verwandten!“ Das ist der Vorteil, wenn man im Pott wohnt: Es gibt hier immer welche, die Grund zum Jubeln haben. Macht Spaß!