Holschuld – Bringeschuld

Kennen Sie das? Das ist ein im Prinzip ziemlich einfaches Konzept, das Pflichten festlegen soll. Ich kenne die beiden Begriffe bisher nur im Zusammenhang mit Informationen. Da geht es um die Frage, wer verantwortlich dafür ist, dass Informationen die Menschen erreichen, die sie brauchen. Holschuld heißt: Ich muss fragen, um eine Information zu bekommen; ohne Fragen bekomme ich sie nicht. Bringeschuld heißt:  Mein Gegenüber muss mich ungefragt informieren.

Ich bin vor Kurzem wieder damit konfrontiert worden: Es ging darum, ob Handwerker ungefragt mitteilen müssen, ob durch Veränderungen in den Voraussetzungen zu einer Arbeit mit veränderten Folgen zu rechnen ist. Oder ob man halt fragen müsse. Das Hauptargument für die Bringeschuld war, dass man ja gar nicht wisse, wonach man fragen solle.

Ein schön einfaches Konzept, diese Geschichte, mit einem fetten Schönheitsfehler: der Frage nämlich, wer festlegt, ob eine Hol- oder eine Bringeschuld vorliegt. Und an der Stelle geraten wir ganz schnell in die Regel-Falle: Jemand stellt zu der Frage nach Hol- und Bringeschuld Regeln auf, die vermeintlich einleuchtend sind und von allen Menschen mit gesundem Menschenverstand geteilt werden.

Man kann ziemlich sicher sein, dass Regeln, die jemand zu zwischenmenschlichen Beziehungen oder zu zwischenmenschlichem Verhalten aufstellt, weder einleuchten noch gesundem Menschenverstand entspringen. Zwischenmenschliches, ja selbst alles, was nur mit einem einzelnen Menschen zu tun hat, lässt sich nie Nie, NIE!!! in Regeln fassen, schon gar nicht in Regeln, die benutzt werden sollen, um andere Menschen zu bestimmtem Verhalten zu zwingen. Es geht einfach nicht. Wir Menschen sind – wie alle höheren Lebewesen, sagen wir: ab dem Pantoffeltierchen – zu komplex, zu vielschichtig, um in einer Umgebung, die uns regelt, existieren zu können.

Eigentlich ist dieser Wunsch nach Regeln etwas Kindliches: Es ist der Wunsch, die Welt möge einfach sein und einfach zu erklären. Und es ist auch der Wunsch, Fehler vermeiden zu können durch Befolgen von Regeln. Ewachsene Menschen sollten im Verlaufe ihres Lebens begriffen haben, was es mit Regeln auf sich hat, und sie sollten auch Wörter wie „Pragmatismus“ kennengelernt haben. Dieses Konzept besagt, dass man tut, was weiter hilft, und Fragen nach Regeln hintan stellt. Es gibt einen schönen Satz dazu (hab ich mir nicht ausgedacht!): „Regeln sind dazu da, dass man über sie nachdenkt, bevor man sie bricht.“

Übrigens – eine Frage, die man immer stellen kann, auch wenn man überhaupt keine Ahnung hat: „Und was ändert sich damit für mich?“

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