Fußball – watt sontz?

Ich habe vorgestern ausnahmsweise Fußball geguckt, Deutschland – Polen, man muss ja. Ernsthaft, ich fühle gaaanz tief in mir drin geradezu eine Art „nationaler Pflicht“, diese Spiele anzuschauen, also Spiele der deutschen Mannschaft. Was mir allerdings gottseidank abgeht, ist dann nationale Parteilichkeit. Ich find’s toll, wenn das Spiel gut ist, wenn die Spieler beider Mannschaften richtig was Gutes auf den Rasen zaubern, wenn Raffinesse dabei ist und Einsatz. Wenn der Ball in einem Affenzahn in einer Staffel von Kurzpässen aus dem eigenen Torraum bis vor das gegnerische Tor zischt, dabei 4 oder mehr Mal die Seiten wechselt und dann noch seinen Weg durch eine dicht gestellte Abwehr bis vors Tor findet – das geilt schlicht auf. Egal welche Mannschaft das gerade schafft! Am besten, wenn das beide können; dann ist das Spiel sauspannend.
Das war jetzt ja bei diesem Spiel nicht ganz so; irgendwie fehlte da was. Und hinterher gab’s ja dann auch die dicke Schelte von den Kommentatoren und Selbstkritik von den Spielern. Ja ja. Aber was mir auffiel: Ziemlich viele Versuche endeten einfach damit, dass jemand ausrutschte. War der Rasen vielleicht einfach zu glitschig? Aber dafür kann doch niemand was. Wieso dann diese grandiose Meckerei? Herrgott!
War halt jetzt noch nicht das Meisterspiel, ok. Die haben halt noch nicht so zusammengefunden – beide Seiten. Ja und? Kann sich noch ganz von selbst bessern; die leben jetzt eine Zeitlang eng zusammen, das wird auch was bringen.
Gegen Polen kann ich nicht ernsthaft sein; polnische Namen sind hier gang und gäbe im Pott, die allermeisten schon seit Generationen: Kaminski, Koslowski usw.. Die haben sich genau so eingelebt wie die Italiener, die Jugoslawen, die Türken und – nicht zuletzt – die Deutschen, die zum allergrößten Teil auch nicht schon immer hier gewohnt haben. Der Stadtteil, in dem ich wohne, war vor rund 100 Jahren kein Stadtteil, sondern Felder, Sümpfe und Buschland; hier und da mal ein Bauernhof, sonst nix. Dann hat jemand angefangen, abzuteufen, dann wurden Siedlungen für Arbeiter gebaut, und die Arbeiter kamen – und kamen – und kamen… So entstand das Ruhrgebiet. Vor 100-150 Jahren! Und da war nix mit Deutschland! Das war Westfalen und Rheinland, und alles noch zerteilt in zig Herzogtümer und Grafschaften und Königreiche. Nationales Denken bezog sich oft genug auf eine Fläche, die noch kleiner war als das halbe Ruhrgebiet. Das sollte man im Kopf behalten bei all dem Deutschland-Gebrüll.
Also habe ich Spaß an Fußball und besonders an gutem. Und wenn die Polen gewinnen, werden wir im Pott eine kurze Zeit lang viele polnische Fahnen sehen, und viele von uns können dann sagen: „Siehste – meine Verwandten!“ Das ist der Vorteil, wenn man im Pott wohnt: Es gibt hier immer welche, die Grund zum Jubeln haben. Macht Spaß!

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